Freiwilligendienst im Ausland (Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland)

FREIWILLIGENDIENST IN KASACHSTAN

Die Republik Kasachstan ist der größte aller Binnenstaaten und aufgrund seiner Gesamtfläche von 2.724.900 km² das neuntgrößte Land der Erde. Es ist eines der rohstoffreichsten Länder der Erde. Kasachstan liegt ziemlich genau in der Mitte des eurasischen Kontinents. Außer der ca. 5,4 % der Landesfläche, die Osteuropa zugerechnet wird, liegt das Land in Zentralasien. In Kasachstan leben 17.737.000 (Stand 2014) Einwohner. Die Hauptstadt Astana ist Universitätsstadt und eines der großen Industrie- und Dienstleistungsballungszentren Kasachstans. Wichtigstes wirtschaftliches und kulturelles Ballungszentrum und zugleich die größte Stadt des Landes ist Almaty (früher Alma-Ata) in Südostkasachstan.

DEIN FREIWILLIGENJAHR IN KASACHSTAN

Kasachstan ist ein Randbezirk der muslimischen Welt und ein Treffpunkt der russischen, chinesischen und zentralasiatischen Kulturen. Alle Länder haben ihre Vorzüge. Was Kasachstan für deinen Freiwilligendienst so besonders machen wird, ist nicht nur ein riesengroßes Territorium an wunderschöner Natur mit ewig schneeweißen Bergen, prachtvollen Seen und endlosen Steppen. Es ist auch das Land, in dem über hundert verschiedene Völker friedlich miteinander leben.

KULTURELLE BESONDERHEITEN

Kasachstan ist ein „Teetrinkerland“. Besonders schwarzer Tee wird zu jeder Tageszeit getrunken. Kaffee bekommt man fast nur in löslicher Form. Das Teetrinken hat eine starke soziale Funktion. Deswegen sollte man eine Einladung zum Tee nur in ganz dringenden Notfällen ausschlagen.

Als Zeichen des Respekts servieren die meisten Kasachen dem wichtigsten Gast traditionsgemäß einen gekochten Schafskopf. Der Gast zerschneidet den Kopf und verteilt die Fleischstücke zunächst an die älteren Tischgäste, dann an die Kinder und anschließend an die Verwandten. Der nationale Brauch verbietet es jüngeren Familienmitgliedern, deren Eltern noch leben, den Schafskopf anzuschneiden.

NÜTZLICHE INFORMATIONEN FÜR DEN ALLTAG:

- Um mit den Einheimischen schneller ins Gespräch zu kommen, sind Russischkenntnisse bei deinem Freiwilligenjahr in Kasachstan von großem Vorteil. Auch Türkisch ist weit verbreitet. Die junge Bevölkerung lernt zwar auch vermehrt Englisch, die Sprache ist jedoch noch nicht so gängig.

- In der regionalen Küche wird viel Fleisch serviert. Dazu gehört auch Pferdefleisch. Wenn du Vegetarier bist, wirst du es in Kasachstan nicht leicht haben, da viele Restaurants überhaupt nicht darauf eingestellt sind.

- Restaurants berechnen ca. 10 % für die Bedienung. Ein extra Trinkgeld wird nicht erwartet, wird jedoch gern gesehen.

- Hygieneartikel und Lebensmittel findest du in kleinen Tante-Emma-Läden. Viele Produkte, wie Kleidung, Schuhe, Schmuck, Elektoartikel aber auch Obst und Gemüse findest du in den größeren Städten auf farbenfrohen Basaren. Hier darfst du auch um die Preise feilschen. In Supermärkten wie z. B. GROS, Green, Ramstore oder der deutschen Metro Group kannst du viele westliche Produkte kaufen. Die Preise entsprechen hier jedoch dem europäischen Niveau.

- Das Straßennetz verbindet alle Städte und regionale Zentren. Der größte Teil der Straßen ist asphaltiert. Die Straßenverhältnisse entsprechen aber nicht den westlichen Standards.

- Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man sehr preiswert in fast alle Gegenden des Landes. Zwischen Almaty und der neuen Hauptstadt Astana verkehrt der Hochgeschwindigkeitszug Talgo-Express. Das Taxifahren in der Innenstadt ist auch günstig. Je nach Strecke und Tageszeit zahlst du  nur ca. 1,50 bis 3 €.

TIPPS FÜR JUNGE MENSCHEN:

- In den Großstädten findest du in Nachtclubs, Diskotheken, Bars und Kneipen ein abwechslungsreiches Unterhaltungsangebot. Ein aufregendes Nachtleben bietet vor allem Almaty. Hier wird in den zahlreichen Clubs häufig Live-Musik gespielt. Einige Clubs nehmen 6 bis10 € Eintritt. In den ländlichen Gebieten geht es dagegen deutlich ruhiger zu. 

- Viele Kneipen schenken kein lokales, sondern nur importiertes Bier aus. Deswegen kostet es etwa 3 bis 5 €. Einheimisches Bier gibt es in wenigen Kneipen für ca. 1 bis 2 €.

VERHALTENSWEISEN, DIE DU ALS FREIWILLIGER KENNEN BZW. VERMEIDEN SOLLTEST:

- Schneuze dich bei Schnupfen nicht in der Öffentlichkeit. Das wird als unhöflich betrachtet. Wenn du unter Menschen bist, kannst du dazu aus dem Zimmer oder auf die Toilette gehen. Schniefen dagegen ist erlaubt. Was in Deutschland ebenfalls unangenehm auffallen würde, aber in Kasachstan gängig ist, ist dass die Männer oft auf die Straße spucken.

- Für eine Einladung zum Essen solltest du dich nach Möglichkeit elegant kleiden.

- Wenn du eine Einlandung zu Kollegen oder Freunden nach Hause bekommst, solltest du auch darauf achten, die Schuhe an der Tür auszuziehen.

- In öffentlichen Räumen und in öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Rauchen verboten. 

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LANDESINFORMATIONEN KASACHSTAN

KASACHSTANS GESCHICHTE

Das Gebiet Kasachstans gehörte im Altertum verschiedenen Reichen an, bis es im 13. Jahrhundert von den Mongolen unter Dschingis Khan erobert wurde.

Im 14./15. Jahrhundert folgte die Eroberung von den Usbeken unter Timur (Tamerlan). In dieser Zeit entstand ein Kasachen-Khanat (eine nomadisch geprägte Stammesföderation).

Im 17./18. Jahrhundert folgte die zweite mongolische Herrschaft, bis sich das spätere Kasachstan Mitte des 18. Jahrhunderts dem russischen Zaren unterstellte, um der Einverleibung durch China zu entgehen. Durch die Februarrevolution in Russland und den Sturz des Zaren Nikolaus II. wurde auch Kasachstan in den russischen Bürgerkrieg involviert. Im Laufe des russischen Bürgerkrieges war das Gebiet des heutigen Kasachstan zwischen den Bolschewiki, der Alasch Orda sowie russischen antikommunistischen Gruppierungen umkämpft, wobei die Allianzen und Machtverhältnisse mehrmals wechselten. 1919 wurde das Gebiet schließlich von den Sowjets unterworfen.

1936 wurde Kasachstan als Kasachische SSR zu einer eigenständigen Unionsrepublik der Sowjetunion erklärt. Während dieser Zeit erfuhr das Land, das bis dahin eher nomadisch geprägt war, einen massiven Entwicklungsschub. Die Industrialisierung des Landes wurde durch den Bau von großen Industriebetrieben und Eisenbahnen vorangetrieben. Dank der Einwanderungswelle der Fachkräfte aus Russland kam es zu starkem Bevölkerungswachstum.

1990 erklärte Kasachstan seine Souveränität innerhalb der UdSSR.

Ihre Unabhängigkeit erklärte die Republik Kasachstan am 16. Dezember 1991. Als Folge dessen wurde Kasachisch zur Amtssprache und die Hauptstadt Alma-Ata wurde zu Almaty umbenannt. Die Regierung und das Parlament zogen 1997 von Almaty nach Aqmola um. Dadurch wurde Aqmola zur offiziellen Hauptstadt und heißt seit 1998 Astana.

GEOGRAFIE

Kasachstan grenzt im Norden und Westen an Russland, im Süden an Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisistan und im Osten an die Volksrepublik China. Es erstreckt sich von der Ebene der Wolga im Westen bis zum Altai-Gebirge im Osten. Die südliche Begrenzung bilden der bis zu 7.010 Meter hohe Tianshan-Gebirgszug und die Kysylkum-Wüste. Im Südwesten Kasachstans befindet sich das Kaspische Meer. Im Norden erstreckt sich das Land bis in das Westsibirische Tiefland. Im Nordwesten befindet sich das Mugodschar-Gebirge und im Zentrum findet man die Kasachische Schwelle. Ansonsten wird das Landschaftsbild größtenteils von Ebenen (die aus Steppe und Wüste bestehen) dominiert.

Trotzdem ist das Land reich an Flüssen und Seen. Die längsten Flüsse sind der Irtysch, Syrdarja, Schajyq (Ural) und Ili. Die Seen, die mehrheitlich Salzseen sind, findet man besonders im Norden des Landes. Der größte See ist mit rund 371.000 Quadratkilometern das Kaspische Meer. Der Aralsee ist der zweitgrößte See. Dieser droht jedoch immer weiter auszutrocknen. Ein besonderer und bedeutender See ist der Balchaschsee. Er ist der einzige See der Erde, der zur einen Hälfte aus Süß- und zur anderen Hälfte aus Salzwasser besteht.

KLIMA

In Kasachstan herrscht ein ausgeprägtes Kontinentalklima. Das heißt: nach kalten Wintern mit bis zu -40 Grad Celsius folgen direkt heiße lange Sommer mit bis über +40 Grad Celsius. Durch die niedrige Luftfeuchtigkeit sind diese Temperaturen aber erträglicher. Im Allgemeinen regnet es in Kasachstan eher wenig. Starker Wind ist für fast ganz Kasachstan typisch. Im Sommer sogar oft in Form von Sandstürmen.

PFLANZEN- UND TIERWELT

Die schönen Landschaften Kasachstans sind das Zuhause für viele unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten. Kasachstan ist in viele Naturzonen unterteilt und hat somit auch eine vielfältige Flora und Fauna. Die Pflanzenwelt unterscheidet sich je nach Waldsteppe, Trockensteppe, Halbwüste, Wüste und Gebirge.

In Steppen und Waldsteppen überwiegen Getreidepflanzen und Gräser (Halm-, Steppen- und Wiesengräser). Bäume wie Birke, Espe, Weide, Johannisbeerstrauch, Fichte, Eiche und Linde bilden „Wald-Inseln“. In diesen Wäldern gibt es viele Beeren, die einigen der folgenden typischen Bewohnern dieser Zone als Nahrung dienen: Zieselmaus, Murmeltier, Springmaus, Eichhörnchen, Hase, Hermelin, Dachs, Wolf und Fuchs. Vereinzelt findet man in den Wäldern auch Wildschweine, Wapitis und Rehe und in der Steppe die seltene und geschützte Saiga-Antilope. Es gibt sehr viele Vögel, wie Schwäne, Adler, Trappen, Geier, Kraniche, Reiher, Enten, Gänse, Waldhühner, Spechte und Lerchen. Da es in dieser Region über 1.500 Seen gibt, ist es der ideale Lebensraum für Wasservögel.

In der Halbwüste ist der Artenreichtum nicht so groß wie in der Steppe. Die typischen Pflanzenarten hier sind Wermut, Kamille und Federgras. Hier gibt es viele Arten von Eidechsen und Schlangen. Aber auch Hasen, Zieselmäuse und Springmäuse kann man hier finden. Wölfe und Korsak-Füchse sind weit verbreitet. Auf die Saiga- und Kropfgazelle trifft man hier jedoch eher seltener.

Zum am weitesten verbreiteten Naturraum in Kasachstan zählen die Wüsten. Hier trifft man am meisten auf trockene, kleinwüchsige Pflanzen mit langen Wurzeln wie Riedgras, Wüstenfedergras und Wermut. Weit verbreitet sind auch Sträucher. In dieser Naturzone leben vorwiegend kleinere Tiere wie Igel, Schildkröten und Springmäuse, die sich an die extremen Lebensbedingungen besser anpassen können. Größere Tiere sieht man in der Wüste eher selten. In der Nähe der Wasserquellen gibt es Huftiere wie Kropfgazellen, Saigas oder Wildschweine. Noch seltener anzutreffen sind der Wolf, die Rohrkatze und der asiatische Wildesel. Dagegen sind hier Reptilien sehr weit verbreitet.

Das Gebirge des Tian-Schan ist größtenteils von Fichtenwäldern bedeckt und das Zuhause des Schneeleoparden, des Luchses und des Tienschan-Braunbären. Auch im Altai-Gebirge leben zahlreiche Bärenarten. Beide Gebirge sind zudem die Heimat der Sibirischen Steinböcke und Riesenwildschafe. In den südwestlichen Bergsteppen leben Steppenwildschafe.

In Kasachstan findet man am Kaspischen Meer auch Robbenkolonien der unter Artenschutz stehenden Kaspischen Robbe vor.

SPRACHE UND SCHRIFT IM MULTIKULTURELLEN KASACHSTAN

Die Nationalsprache und Amtssprache ist Kasachisch. Die zweite Amtssprache ist Russisch. Seit der Unabhängigkeit ist die Regierung bestrebt, die kasachische Sprache anstelle der russischen Sprache durchzusetzen. Deswegen wächst die Rolle des Kasachischen, obwohl die vorherrschende Sprache nach wie vor Russisch ist. Beide Amtssprachen gelten in der Schule als Pflichtfächer. Die Stadtbewohner und die Menschen im Norden des Landes sprechen vorwiegend Russisch. Die Landbevölkerung spricht hingegen zum Teil ausschließlich Kasachisch.

Laut Regierungsbeschlüssen soll das kyrillische Alphabet durch das lateinische Alphabet ersetzt werden. Die Übergangsfrist für die Umstellung wurde auf das Jahr 2015 festgelegt. Bisher wird jedoch noch allgemein das kyrillische Alphabet benutzt.

RELIGION IN DER REPUBLIK KASACHSTAN

Die vorherrschenden Religionen sind der Islam und das Christentum. Daneben gibt es kleine Gemeinden von Juden. Trotz des jahrzehntelangen erzwungenen Atheismus durch die Sowjetunion sind heutzutage nur 2,8 % der Bevölkerung Atheisten.

Dem Islam gehören rund 70 % der Bevölkerung an. Davon sind die meisten Sinnuiten. Kasachstan ist zwar nominell ein muslimisches Land, viele kasachische Nomaden nahmen aber erst im 18. und 19. Jahrhundert den Islam endgültig an. Der Islam in Kasachstan ist eher liberal. Die meisten Kasachen sind nach wie vor säkular. Vor allem die kasachischen Nomaden und die Kasachen im Norden praktizieren ihre Religion, teilweise vermischt mit vorislamischen Bräuchen, nur an hohen Feiertagen wie dem Ramadan oder dem Opferfest.

Zum Christentum gehören etwa 26 % der Bevölkerung. Die meisten davon gehören dem russisch-orthodoxen Glauben an. Daneben gibt es aber auch die Armenische Apostolische Kirche, die Griechisch-Orthodoxe Kirche und die Georgische Orthodoxe Apostelkirche. Die Deutschen in Kasachstan sind meist Lutheraner. Viele Osteuropäer gehören der Römisch-katholischen Kirche in Kasachstan und der Kasachischen Griechisch-Katholischen Kirche an. Außerdem gibt es die Siebenten-Tags-Adventisten und auch kleine Gemeinden der Zeugen Jehovas.

BEVÖLKERUNG UND ETHNIEN

Kasachstan ist ein ethnisch buntes und multikulturelles Land. Über 50 Nationalitäten leben hier miteinander. Die größte Volksgruppe mit etwa 65,5 % bilden die turksprachigen Kasachen. Usbeken, Uiguren, Tataren, Mescheten, Aserbaidschaner, Baschkiren, Tschuwaschen, Turkmenen, Kirgisen, Karakalpaken, Krimtataren und Balkan-Türken bilden weitere turksprachige Minderheiten. 21,5 % der Bevölkerung sind Russen, die jedoch aus politischen Gründen in den letzten Jahren immer mehr zurück nach Russland ausgewandert sind. Daneben gibt es auch Minderheiten mit europäischer Herkunft. Dazu gehören Ukrainer, Deutsche, Polen, Letten, Litauer, Weißrussen und Griechen. Es leben aber auch tausende Armenier, Georgier, Tschetschenen, Tscherkessen, Osseten, Awaren und Zachuren in Kasachstan. Eine weitere bedeutende Minderheit mit 0,6 % stellen die Koreaner dar. Kleine iranischsprachige Minderheiten bilden Kurden, Paschtunen und Perser. Andere Minderheiten, wie etwa Burjaten, Mongolen, Tibeter, Dunganen und Chinesen stellen nur einen geringen Bevölkerungsanteil dar.

Wir sprechen vom FSJ, weil im allgemeinen Sprachgebrauch diese Abkürzung überwiegend für die Bezeichnung von Freiwilligendiensten genutzt wird. Tatsächlich sind die Freiwilligendienste jedoch in unterschiedlichen Programmen mit verschiedenen gesetzlichen Grundlagen und Richtlinien geregelt.